Mitochondriale Erkrankungen (mitochondriales Genom) bei V.a. LHON, MELAS, MERFF und mitochondriale Taubheit
Dr. rer. biol. hum. Soheyla Chahrokh-Zadeh
Wissenschaftlicher Hintergrund
Mitochondriale Erkrankungen werden durch Störungen der mitochondrialen Atmungskette und damit der OXPHOS und darüber hinaus durch Störungen anderer biochemischer Mechanismen, wie z.B. ß-Oxidation, mitochondrialer Fusion und Teilung u.v.a. hervorgerufen. Sie entstehen sowohl durch Mutationen mitochondrial kodierter als auch kernkodierter (über 1.000) Gene. Symptome nahezu aller Organe sind beschrieben. Mutationen der (mitochondrialen) mtDNA können in homo- oder heteroplasmischer Form vorliegen, wobei das Ausmaß der Heteroplasmie erst ab einem bestimmten Schwellenwert von pathologischer Bedeutung sein kann.
Schematische Darstellung des humanen mitochondrialen Genoms mit allen codierenden Genen und den häufigsten Mutationen bei LHON, MELAS und MERRF
Bei mitochondrialen Erkrankungen, die durch Mutationen von mitochondrial kodierten Genen verursacht werden, liegt immer eine mütterliche Vererbung zugrunde. Zu den Erkrankungen, bei denen mtDNA-Mutationen eine Rolle spielen, zählen:
- Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie LHON, charakterisiert durch bilateralen, schmerzfreien, subakuten Visusverlust im Laufe des Erwachsenenlebens durch selektive Degeneration der retinalen Ganglion Zellschicht und des Nervus opticus. Bei ca. 90% der Patienten kann eine der drei mtDNA-Mutationen nachgewiesen werden: m.3460G>A, m.11778G>A oder m.14484T>C.
- MELAS (Mitochondriale Encephalomyopathie, Laktatazidose und Schlaganfall-ähnliche Episoden), eine Multisystemerkrankung mit Beginn im Kindesalter. Die häufigste Mutation betrifft m.3243A>G des MT-TL1-Gens, es sind jedoch auch Mutationen in weiteren mtDNA-Genen beschrieben;
- MERRF (Myoklonische Epilepsie mit ‚ragged red fibers‘), eine Multisystemerkrankung mit primär myoklonischer, später generalisierter Epilepsie, Ataxie, Schwäche und Demenz. Die häufigste Mutation m.8344A>G betrifft das MT-TK-Gen, auch hier sind weitere mtDNA-Mutationen bekannt.
Vorteil der NGS-Methode ist die simultane Erfassung des Heteroplasmiegrades.
Literatur
Wang & Lee 2015 Chin Med J 128:1820 / Farrar et al 2013 Trends Genet. 29:488





